Die Zahlen verstehen.
Den Kontext behalten.
Ein einzelner Strompreis oder Importwert erzählt noch nicht die ganze Geschichte. Hier erfährst du, was die Daten im Stromcockpit tatsächlich zeigen.
Importiert Deutschland, weil der Strom fehlt?
Ein Import allein belegt keinen Strommangel. Im europäischen Strommarkt können Marktteilnehmer Strom aus einem Nachbarland beziehen, wenn das wirtschaftlicher ist als zusätzliche Erzeugung im Inland. Für die Beurteilung der Versorgungssicherheit braucht man weitere Informationen, etwa verfügbare Erzeugung, Netzkapazitäten und Reserven.
Der Explorer trennt zwei Perspektiven: Kommerzieller Stromhandel zeigt geplante Handelsmengen. Physische Grenzflüsse beschreiben, was tatsächlich über die Leitungen fließt. Wegen der Vernetzung können sich diese Werte unterscheiden. Im Explorer sind positive Werte Importe, negative Exporte. Der Saldo ist die Summe über die erfassten Grenzen.
Ein Land kann gleichzeitig Strom importieren und exportieren. Der Nettosaldo verrät nicht, wie groß beide Richtungen jeweils waren.
Einordnung: Bundeswirtschaftsministerium: Energiepreise und grenzüberschreitender Handel. Datendefinitionen: Energy-Charts API, cbet und cbpf.
Negative Börsenpreise: kostenloser Strom?
Ein negativer Börsenpreis bedeutet, dass der Energiepreis am betrachteten Markt in diesem Lieferintervall unter null liegt. Das ist nicht automatisch dein Preis zu Hause. Der Haushaltsstrompreis enthält weitere Bestandteile: Beschaffung und Vertrieb, Netznutzung sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.
Mit einem dynamischen Tarif können sich Schwankungen des Börsenpreises auf den Arbeitspreis auswirken. Die genaue Wirkung hängt vom Vertrag ab. Bei einem festen Arbeitspreis wird die einzelne Kilowattstunde durch eine günstigere Börsenstunde normalerweise nicht billiger.
Unsere Diagramme zeigen Day-Ahead-Preise für vorab gehandelte Lieferintervalle. Sie zeigen weder einen laufend neu gehandelten Intraday-Preis noch deinen vollständigen Tarif.
Quelle: Bundeswirtschaftsministerium: Bestandteile des Strompreises. Preisreihe: Bundesnetzagentur | SMARD über Energy-Charts.
Erzeugung, Verbrauch und die 100-Prozent-Frage.
Die Bezugsgröße entscheidet: Der erneuerbare Anteil an der öffentlichen Nettoerzeugung bezieht erneuerbar erzeugten Strom auf die betrachtete Erzeugung. Der erneuerbare Anteil an der Netzlast setzt ihn ins Verhältnis zur Netzlast. Diese beiden Prozentwerte sind nicht austauschbar.
Wenn die erfasste erneuerbare Erzeugung zeitweise größer als die Netzlast ist, kann der zweite Wert über 100 Prozent liegen. Die überschüssige Erzeugung kann zum Beispiel exportiert oder gespeichert werden. Ein solcher Wert bedeutet nicht, dass sämtliche fossilen Kraftwerke abgeschaltet sind.
Die öffentliche Nettoerzeugung berücksichtigt den Eigenbedarf der erfassten Kraftwerke bereits. Industrielle Eigenerzeugung und selbst verbrauchter Solarstrom werden darin nicht vollständig abgebildet. Für eine weitere Perspektive steht im Explorer die gesamte Nettoerzeugung Deutschlands bereit.
Datengrundlage und Definitionen: Energy-Charts API: public_power, total_power und signal.
Was sagt die Stromampel aus?
Die Ampel übernimmt die Einstufung der Datenquelle. Grün steht für einen hohen, Gelb für einen durchschnittlichen und Rot für einen niedrigen prognostizierten erneuerbaren Anteil an der Netzlast. Der besondere Quellencode −1 kennzeichnet einen Netzengpass-Hinweis.
Sie ist ein Hinweis für die zeitliche Orientierung. Sie misst weder deinen individuellen Strommix noch die Belastung deiner Hausleitung und gibt keine lokale Netzfreigabe. Die Postleitzahl-Funktion der API ist derzeit für eine zukünftige Erweiterung reserviert; deshalb simuliert diese Website keine örtliche Genauigkeit.
Wenn die Quelle statt einer aktuellen Prognose einen historischen Ersatzwert verwendet, erscheint der Hinweis Ersatzschätzung. Erneuerbarer Anteil und Börsenpreis werden getrennt betrachtet: Ein grünes Signal ist keine Zusage für günstigen Strom.
MW, GW, MWh und GWh: Was ist der Unterschied?
Leistung beschreibt, wie schnell Energie erzeugt oder verbraucht wird. Sie wird hier in Megawatt (MW) oder Gigawatt (GW) dargestellt. 1 GW entspricht 1.000 MW. Energie ist die Menge über eine Zeitspanne. Eine mittlere Leistung von 1 MW über eine Viertelstunde ergibt 0,25 MWh.
Der Explorer berechnet Energiemengen nur für geeignete mittlere Leistungsreihen mit bekanntem Intervall. Fehlende Werte und nicht abgedeckte Zeiträume werden nicht aufgefüllt. Das Ergebnis ist daher bei Datenlücken ausdrücklich keine vollständige Tages- oder Monatsbilanz.
Die Preis-API liefert Euro je Megawattstunde. Für Cent je Kilowattstunde wird der Zahlenwert durch zehn geteilt: 100 €/MWh entsprechen 10 ct/kWh. Preise werden erst für die Anzeige gerundet.
Installierte Leistung ist nicht erzeugte Energie.
Eine Anlage mit einer bestimmten Nennleistung produziert nicht jederzeit mit voller Leistung. Ausbaukurven zeigen die installierte Leistung zum Ende des jeweiligen Berichtszeitraums. In der Ansicht Nettozubau stehen positive Werte für einen Zuwachs und negative für einen Rückgang des Bestands.
Bei Photovoltaik sind die Gleichstromleistung der Module (DC) und die Wechselstromleistung (AC) unterschiedliche Bezugsgrößen. Man darf sie nicht zu einer gemeinsamen Solarleistung addieren. Geplante Ausbauziele stehen als eigene, entsprechend benannte Reihen neben tatsächlich erfassten Beständen.
Bei Batterien unterscheiden wir die Leistung in MW/GW vom speicherbaren Energieinhalt in MWh/GWh. Der Explorer erlaubt deshalb nur gleichartige Einheiten auf derselben Diagrammachse. Monatliche Ausbauwerte sind laut Datenquelle nur für Deutschland verfügbar.
Quelle: Energy-Charts API: installed_power, Einheiten je Datenreihe.
Die Netzfrequenz ist keine Blackout-Ampel.
Im Explorer steht die Frequenzmessung des Fraunhofer ISE in Freiburg für das kontinentaleuropäische Verbundnetz bereit. Die nominelle Netzfrequenz liegt bei 50 Hertz. Die Messung ist kein flächendeckendes Sensornetz und keine Prognose für einen Stromausfall an einem bestimmten Ort.
Für handhabbare Datenmengen zeigen wir höchstens 60 Minuten je Abfrage. Für lange Messreihen wird die Zeichnung verdichtet; Minima und Maxima der Zeichenabschnitte bleiben dabei erhalten. Tabelle und Download enthalten die vollständigen gelieferten Werte. Die Eingabe des Messzeitraums erfolgt in UTC; Diagramm und Tabelle zeigen Europe/Berlin.
Quelle: Energy-Charts API: frequency, Messort und zeitliche Auflösung.
Messwert, Prognose oder Datenlücke?
Messwerte beschreiben erfasste Zeiträume und können später korrigiert werden. Prognosen beschreiben erwartete Erzeugung oder Netzlast und können sich mit Wettervorhersagen und neuen Informationen ändern. Intraday, Day-Ahead und Week-Ahead sind verschiedene Prognosehorizonte. Nicht jede Auswahl ist für jedes Land verfügbar.
Ein fehlender Wert ist keine Null. Eine echte Null bedeutet beispielsweise, dass im betreffenden Intervall keine Solarleistung gemeldet wurde. Ein fehlender Wert bedeutet, dass keine verwertbare Angabe vorliegt. Im Diagramm bleibt dann eine Lücke, in der Tabelle steht ein Gedankenstrich.
Für die Strommix-Kacheln verwendet das Cockpit den letzten gemeinsamen vollständigen Erzeugungsstand. Dadurch werden keine teilweise fehlenden Werte verschiedener Uhrzeiten zu einem scheinbar exakten Mix kombiniert. Preise, Ampel und Austausch können andere Datenstände haben.
Die API enthält derzeit keine direkten CO₂- oder Emissionsreihen. Aus dem erneuerbaren Anteil wird hier deshalb keine scheinbar gemessene CO₂-Intensität errechnet.
Wie wird das günstigste Zeitfenster berechnet?
Der Planer durchsucht die verfügbaren Börsenpreisintervalle nach dem zusammenhängenden Abschnitt mit dem niedrigsten durchschnittlichen Preis für die gewählte Dauer. Für heute berücksichtigt er nur Intervalle, die bei der Berechnung noch nicht begonnen haben. Datenlücken dürfen das Zeitfenster nicht unterbrechen.
Der Verbrauch wird für die Rechnung gleichmäßig über den gesamten Abschnitt verteilt. Der angezeigte Eurobetrag ist nur der Börsenanteil, berechnet aus mittlerem Preis und eingegebener Energiemenge. Ein reales Gerät kann einen anderen Lastverlauf haben. Der Planer steuert keine Geräte und enthält keine individuellen Tarifbestandteile.
Beim Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit werden die tatsächlichen Zeitstempel verwendet. Tage können deshalb 23 oder 25 Stunden haben. Die exportierten ISO-Zeitstempel enthalten ihren Zeitzonenversatz.